
Es war einmal ein König, dessen Leibarzt war in hohem Alter gestorben. Drei Bewerber meldeten sich, um die Nachfolge anzutreten. Der König empfing sie im Thronsaal, um sie zu prüfen.
Der erste Bewerber behauptete, er könne Tote wieder ins Leben zurückholen. Als jedoch der König verlangte, er solle sich zum Beweis selbst umbringen und dann wiedererwecken, verzichtete der Bewerber und suchte schnell das Weite.
Der zweite Bewerber rühmte sich, jede Medizin so genau zu kennen, dass er damit jede Art von Krankheit heilen könne. „Kannst du auch Giftiges von Ungiftigem unterscheiden?“ fragte die Königin. Der Bewerber nickte. Da schüttete die Königin ein buntes Pulver in ein Glas mit Wasser und forderte den Bewerber auf, davon zu trinken, wenn es nicht giftig sei. Erschrocken über dieses Ansinnen verzichtete auch dieser Bewerber und eilte davon.
Nun war der dritte und letzte Bewerber an der Reihe. Er bat, seine Kunst auf dem Balkon des Thronsaals zeigen zu dürfen. Das wurde ihm gestattet. Er öffnete seine Tasche, entnahm ihr eine kreisrunde Scheibe, steckte schräg einen Stab in deren Mitte und legte die Scheibe so ins Sonnenlicht, dass der Schatten des Stabs auf eine Zahl auf der Scheibe zeigte.
„Majestät“, erklärte der Bewerber, „diese Scheibe verwandelt Sonnenlicht in vorbeugende Medizin.“ Alle staunten. „Erkläre weiter!“ bat die Königin, und der Bewerber sagte: „Wie ihr seht, fällt der Schatten auf die jetzige 3. Stunde des Nachmittags. Das ist die Zeit, in der Menschen ihre größte Geschicklichkeit, auch Koordination genannt, erreichen. Sie wird, wenn der Schatten weiterwandert, bald ergänzt werden durch die Zeit der schnellsten Reaktion. Wer sein Tun und Lassen an dieser Scheibe, die eine Sonnenuhr ist, ausrichtet, lebt im Einklang mit all seinen Fähigkeiten und gesundheitlichen Bedürfnissen und beugt allen Krankheiten vor.“
„Entscheide Du!“ sagte der König zur Königin. Sie schlug vor, den Bewerber zur Probe einzustellen, aber so, dass er das Schloss nicht verlassen konnte. Sollte er nämlich zu viel versprochen haben, müsse er den Rest seines Lebens im Kerker verbringen. Der gesamte Hofstaat aber wurde verpflichtet, 10 Tage lang alle Aktivitäten zeitlich nur so durchzuführen, wie es der Schattenzeiger gemäß der Beschriftung der Uhr empfahl.
Als die 10 Tage um waren, kamen alle im Thronsaal zusammen, um zu erfahren, wie es den Einzelnen ergangen war - und alle waren bester Laune. Sie fühlten sich besser als je zuvor und waren voll des Lobes über die Wunderscheibe und ihren Überbringer. Da nickte die Königin ihrem Gemahl zu, und der verkündete: „Er soll mein neuer Leibarzt sein, und die Scheibe soll ‘Hora Lux‘ heißen, denn sie verbindet das Licht der Sonne mit der Zeit und beides zusammen mit dem Wohl der Menschen!“ So wurde jener Bewerber zum Leibarzt des Königs und Hora Lux zur Königin aller Uhren des Königreichs. Alle waren glücklich und zufrieden und – vor allem – gesund.
(Roland Müller – 2025)
Kommentare
Lieber Herr Müller,
vielen Dank für Ihr schönes Märchen vom neuen Leibarzt des Königs und seiner Sonnenuhr HORA Lux. Auch wenn Märchen erfundene Geschichten sind, enthalten sie doch immer auch Wahrheiten. So hat die kürzliche Sommerzeitumstellung wieder Mal die innere Uhr vieler Menschen durcheinander gebracht. Vor allem Jugendliche leiden darunter, schon eine Stunde früher in die Schule gehen zu müssen. Forscher haben längst erwiesen, dass es gesünder ist, nach dem Takt der Sonne, den uns die Sonnenuhr so illustrativ vor Augen führt, zu leben.
Herzliche Grüße
Carlo Heller
Lieber Herr Heller und lieber Roland (wir kennen uns schon sehr lange),
Dank Rolands Hinweis habe ich heute den Maintower-Beitrag vom 7.11. gesehen und dann Roland Hora Lux Märchen im Blog hier gelesen. Ich wollte Ihnen (Euch) beiden mitteilen, wie sehr mich beides - der Beitrag und das Märchen berührt hat und mir so sehr aus der Seele spricht. Das schreibe ich, weil ich ja mal die technikfreien Sternenführungen in der Rhön entwickelt habe und den Sternenpark Rhön iniitiert habe. D.h., ich bin ja wirklich viel in der Nacht unterwegs und die Dunkelheit mit ihren Gestirnen und die Astronomie lässt auch meine Augen leuchten. Gleichzeitig bin ich aber auch Nachtschützerin von Kopf bis Fuß und arbeite haupt- und ehrenamtlich daran, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Sternenführungen sind ein Bereich, um Menschen die natürliche Dunkelheit erleben zu lassen und den Sternenhimmel - so wie in die Menschen vor uns in Bilder eingeteilt haben - zu zeigen. Die Menschen haben komplett den Bezug verloren - zu den natürlichenb Abfolgen in der Natur (hell, dunkel) und den Sternenhimmel. Und jetzt komme ich zum Punkt. Ich mache dafür zu einem gewissen Teil die Sommerzeit verantwortlich. Trotz der schönen Jahreszeit kann man sie nicht sehen, weil man ins Bett muss, obwohl es noch hell ist. Wir können keine Sternenführung in den Sommerferien auf Freizeiten machen - weil es zu spät dunkel wird. Und auch für uns Sternenführer ist es hart, bis nach 23 h warten zu müssen. Für mich ist die Sommerzeit - natürlich auch wegen der gesundheitlichen und anderen Gründe - am allermeisten aus diesem Grund furchtbar. Sie ist aus meiner Sicht ein massives kulturelles Desaster. Das sollte irgendwie mehr in den Fokus kommen. Aber eine schöne Sache noch: Auf Ständen bastle ich oft ganz simple Sonnenuhren mit Kinder. Sie sind davon total begeistert. Währen sie die Vorlage ausmalen und kleben, stellt Dr. Igel Fragen, die auf den Schutz der Nacht abzielen. Durch den Beitrag und Rolands Märchen wird die Bastelaktion nun ergänzt um das Märchen und Hora Lux, die ich mir bestelle. Insofern bin ich wieder mal Dir, lieber Roland, unendlich dankbar und Ihnen auch, lieber Herr Heller. Ich hoffe, dass wir uns mal im Sternenpark Rhön sehen und ich werde vorschlagen, dass dieser eine Sonnenuhr von Ihnen bekommt, wenn auf der Wasserkuppe neu gebaut wird. Herzliche Sonnen- und Sterngrüße Sabine
Liebe Sabine und lieber Herr Heller,
jetzt staune ich fast ungläubig über das, was meine kleine Geschichte ausgelöst hat. Ja, natürlich steckt da auch die Problematik willkürlicher Uhrenumstellung drin (MEZ/MESZ). Und die Hora Lux ist in diesem Zusammenhang die einzige Uhr, welche die wahre, auch mit der Biologie aller Lebewesen übereinstimmende Zeit anzeigt.
Sabines Beitrag zeigt darüber hinaus den kosmischen Bezug zum Sternenhimmel, der, zeitlich gesehen, ebenfalls Zifferblatt einer Uhr ist, die unser aller Leben bestimmt. Wie schön, liebe Sabine, dass du Gelegenheiten hast, solche Zusammenhänge auch Kindern schon nahezubringen.
Fruere Hora ("Möge die Stunde Früchte tragen", alter Sonnenuhrenspruch),
Roland
Liebe Frau Frank,
ich habe mich sehr über Ihren Kommentar zum Thema "Sommerzeit" aus Ihrer Sicht gefreut. Sie haben recht, auch die Sterngucker sind da klar benachteiligt. Wir können nur hoffen, dass die EU sich endlich dazu entschließen wird, die Sommerzeit endlich abzuschaffen.
Herzliche Grüße
Carlo Heller
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