Die gnomonische Kartenprojektion

Die Weltkarte der ORBIS SOLARIS ist eine gnomonische Kartenprojektion der Erdkugel. Gnomonik ist die Lehre der Sonnenuhren, das prädestiniert diese Kartenprojektion für die Verwendung in einer Sonnenuhr. Trotzdem geschieht das nur selten, weil sie die Welt nur stark verzerrt und unvollständig zeigt.

Das Video erklärt anschaulich die gnomonische Projektion, ihre außergewöhnlichen Eigenschaften und ihre durch die Brechung im Acrylglaskörper überzeugende Nutzung in der Sonnenuhr ORBIS SOLARIS:

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Die ORBIS SOLARIS ist in unserem Sonnenuhrenshop erhältlich.

Eine kurze Geschichte der Sonnenuhren mit gnomonischer Projektion

Die Geschichte beginnt bereits zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Johannes Keplers ASTRONOMIA NOVA (1609). Im SPECULUM SOLIS (Sonnenspiegel) publizierte der Theologe Franz Ritter aus Nürnberg 1607 die erste Sonnenuhr mit Anzeige des subsolaren Punktes auf einer gnomonisch projizierten Weltkarte. Eine spätere Ausgabe dieser Sonnenuhr von 1640 ist bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herunterladbar und ist oben abgebildet.

Eine moderne Version einer horizontalen Sonnenuhr mit einer gnomonischen Kartenprojektion brachte William Andrewes auf den Markt. 2003 stellte er seinen ersten Prototyp der "Longitude Dial" fertig. Die Sonnenuhr zeigt mit dem Schatten eines Drahtseils die wahre Ortszeit des Zeitzonenmeridian an, die Zonenzeit kann dann unter Berücksichtigung der Zeitgleichung berechnet werden. Eine kleine Kugel, die auf einem Drahtseil aufgezogen ist, zeigt den subsolaren Punkt an. Allerdings wird wie schon auf dem historischen Vorbild nur ein Teil der Erdteile auf der verzerrten Weltkarte, die sich theoretisch bis in die Unendlichkeit ausdehnt, dargestellt.

Einen ersten Schritt zur Reduzierung des Ausdehnung einer horizontalen Sonnenuhr durch Lichtbrechung im Wasser vollzog Heinz Schilt 1956 mit seiner "Sonnenuhr im Badeweiher", die mit einer ”Wasserlinse” (aus einem Rohr ausströmendes Wasser) einen hellen Lichtfleck auf das am ebenen Boden des Teichs gezeichnete Zifferblatt projizierte.

Sein Landsmann Ernst Lobsiger, der den berühmten Schweizer Sonnenuhrfachmann aus mehreren Begegnungen kannte, griff 2024 das Prinzip mit einer neuen Idee auf. Er verwendete in einem Wasserbecken ein horizontales Zifferblatt mit einer gnomonischen Weltkarte. Die Weltkarte ist aus Satellitendaten der NASA entstanden und ermöglicht bei Sonnenschein die Verfolgung des subsolaren Punkts. Auf dem Zifferblatt der Sonnenuhr kann man neben der wahren Ortszeit auch die UTC, die italischen und babylonischen Stunden, sowie die Position der Sonne im Tierkreis ablesen. 

Als im Mai 2024 Ernst Lobsiger sich mit einer Frage zur Langzeitstabilität von Dibond unter Witterungseinflüssen an Carlo Heller wendete, war dieser sofort begeistert von Lobsigers Sonnenuhridee. Da Wasser als optisches Medium für ein Verkaufsprodukt nicht in Frage kam, verwendete Carlo Heller Acrylglas für seine ersten Prototypen. In kürzester Zeit entwickelte er daraus die Sonnenuhr ORBIS SOLARIS, die bereits vor Weihnachten 2024 auf den Markt kam.

Lesen Sie den Artikel "Auf den Spuren von Heinz Schilt" von Ernst Lobsiger in unserem Sonnenuhrenblog. Neben der spannenden Geschichte zum gnomonischen Schaffen von Heinz Schilt geht Lobsiger auch auf seine Sonnenuhr im Wasserbecken ausführlich ein. Auch die Sonnenuhr ORBIS SOLARIS von Carlo Heller hat seine Würdigung erhalten.