Carlo Heller am 25. September 2020

Zum Anschauen des Videos (1:19 min) einfach anklicken.

In enger Zusammenarbeit mit unserem Kunden, Herrn Dr.-Ing. Jorgen von der Brelie, ist eine außergewöhnliche Sonnenuhr entstanden, die ganzjährig präzise Zeit und Datum im Wohnzimmer seines Hauses anzeigt.

Der Bauherr hat sein Haus in Hinblick auf die spätere Sonnenuhr extra in Ost-West-Richtung bauen lassen. Eine eigens eingebaute Lochblende (genannt Lochgnomon) im Dach des Hauses projiziert einen Lichtpunkt an die bis ins Dach hochgezogene Wohnzimmerwand.

Die Sonnenuhr zeigt sowohl die wahre Ortszeit von Lüneburg als auch 12 Uhr mitteleuropäische Zeit (MEZ) und das Tagesdatum an. 12 Uhr MEZ entspricht dem mittleren Mittag am Zeitzonenmeridian (15° O), dargestellt durch die Achterschleife, auch Analemma genannt. Diese ähnelt einer langgestreckten Acht und besteht aus einem Ast für die aufsteigende Sonne (Winter/Frühling) und einem Ast für die absteigende Sonne (Sommer/Herbst). Vom Lichtpunkt angezeigt, geraten auch die Geburtstage der Familienmitglieder nicht in Vergessenheit.

Lesen Sie den interessanten Projektbericht von Herrn Dr.-Ing. Jorgen von der Brelie: Konstruktion und Bau einer Sonnenuhr mit Lochgnomon und Kalendarium. In dem Bericht wird unter anderem erklärt, wie wir die Position der Lochblende mit Messungen zum wahren Mittag an verschiedenen Tagen durch Triangulation exakt bestimmt haben. Nur so konnte die hohe Präzision der Sonnenuhr mit ihren überdimensionalen Abmessungen erreicht werden. Der Abstand der Lochblende senkrecht zur Wand beträgt 1.722mm, der Weg der Sonnenstrahlen von der Lochblende bis zum Mittagspunkt der Sommersonnenwende ist 3.396mm lang. Die Mittagslinie hat eine Länge von 2.601mm. Die Gesamthöhe der Sonnenuhr ist 3.713mm, die Gesamtbreite 2.819mm. Der höchste Punkt der Sonnenuhrgrafik über dem Wohnzimmerboden befindet sich in 6.408mm Höhe.

Schauen Sie sich das Video (s.o.) an, das die Funktion der Sonnenuhr zu verschiedenen Jahreszeiten zeigt. Besonders eindruckvoll sind die Zeitraffervideos, die Herr Dr. von der Brelie mit dem Smartphone aufgenommen hat.

Haus in Ost-West-Richtung

Bild: Das Haus wurde in Hinblick auf die spätere Sonnenuhr in Ost-West-Richtung gebaut. Nur die Garage steht, wie die anderen Häuser, parallel zur Straße. Auf der südlichen Dachhälfte ist das Dachfenster mit dem Lochgnomon eingebaut.

Copyright: Dr-Ing. Carlo Heller, Helios Sonnenuhren und Dr.-Ing. Jorgen von der Brelie

Kommentare

Lieber Carlo,
sehr geehrter Herr Dr. von der Brelie,

eine außergewöhnliche Leistung in hochpräziser Ausführung! Hat meinen großen Respekt. Solch eine Sonnenuhr mit einem Lochgnomon im Dach und einem Zifferblatt an einer Wand in einem Zimmer bzw. Innenraum ist nach meiner Recherche in Deutschland einmalig. Ich habe die Uhr nun für den Fachkreis Sonnenuhren der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie registriert unter DGC 19169 (siehe Online-Archiv-Anwendung www.gnomonica.de).

Existiert hat eine derartige Sonnenuhr jedoch schon einmal: Sie befand sich im ehemaligen Kapuzinerkloster in Cochem an der Mosel (erbaut 1625, geweiht 1635). In der Baubeschreibung des Klosters heißt es:  "Im Ostflügel war an der Wand eine Sonnenuhr angebracht, auf die durch eine Öffnung im Dach die Sonnenstrahlen auffielen". Von dieser Sonnenuhr (DGC 13836) ist leider nichts mehr vorhanden. Um so erfreulicher ist es also, daß mit dem nun neu konstruierten Exemplar dieser "vergessene" Sonnenuhrtyp wiederbelebt worden ist. 

Es gibt zwar noch mindestens drei weitere innenliegende Sonnenuhren in Deutschland, dabei handelt es sich aber um eine andere Bauart, nämlich Spiegel- oder Reflexsonnenuhren, die einen Lichtfleck über einen kleinen Spiegel am Fenster auf eine Wand oder die Zimmerdecke projizieren.    

Gnomonische Grüße
Willy Bachmann

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